Hosts-Datei
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Ausgangssperre
Es gibt Dateien auf einem Computer, die kaum jemand beachtet und die dennoch erstaunlich viel Einfluss darauf haben können, was ein System im Hintergrund tut. Eine davon ist die Hosts-Datei. Sie arbeitet unscheinbar, ohne eigene Benutzeroberfläche und ohne zusätzliche Software. Trotzdem kann sie bestimmen, wohin ein Computer eine bestimmte Internetadresse auflösen soll. Genau deshalb ist sie besonders interessant, wenn es darum geht, Netzwerkverbindungen gezielt zu kontrollieren.
Um ihre Funktion zu verstehen, muss man zunächst wissen, was beim Aufruf einer Internetadresse normalerweise passiert. Wenn Sie beispielsweise eine Webseite aufrufen, geben Sie einen Namen ein. Der Computer muss daraus zunächst die dazugehörige IP-Adresse ermitteln. Diese Aufgabe übernimmt normalerweise das Domain Name System, kurz DNS. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Art Telefonbuch des Internets: Ein leicht merkbarer Domainname wird einer technischen Netzwerkadresse zugeordnet.
Die Hosts-Datei kann in diesen Vorgang eingreifen. Bevor das Betriebssystem eine Anfrage über das normale DNS-System auflösen lässt, kann es prüfen, ob für den angeforderten Hostnamen bereits ein lokaler Eintrag vorhanden ist. Ist dies der Fall, kann die dort hinterlegte IP-Adresse verwendet werden. Damit entsteht eine bemerkenswerte Möglichkeit: Der Computer muss nicht zwangsläufig dorthin verbinden, wohin der ursprüngliche Domainname normalerweise führt. Eine Domain kann beispielsweise auf den eigenen Computer zeigen. Dafür wird häufig die sogenannte Loopback-Adresse verwendet. In folgender Form 127.0.0.1.
Wird eine Domain auf diese Adresse verwiesen, führt die Anfrage nicht mehr zum eigentlichen Server im Internet, sondern zurück zum eigenen Rechner. Auf diese Weise lassen sich bestimmte Verbindungen gezielt unterbinden.
Und genau hier wird die Hosts-Datei besonders interessant.
Sie kann als eine sehr einfache lokale Kontrollinstanz betrachtet werden. Sie benötigt keine zusätzliche Anwendung, keine Datenbank und keinen speziellen Dienst. Im Grunde handelt es sich lediglich um eine Textdatei, deren Einträge das Betriebssystem bei der Namensauflösung berücksichtigt. Das macht sie gleichzeitig so interessant und so praktisch. Sie kann beispielsweise bei der Entwicklung von Webseiten eingesetzt werden, um einen Domainnamen vorübergehend auf einen lokalen oder internen Server zu verweisen. Sie kann zur Zuordnung eigener Netzwerkgeräte verwendet werden. Und sie kann dazu dienen, bestimmte Domains auf dem eigenen Computer zu blockieren.
Dabei sollte man allerdings eines verstehen: Die Hosts-Datei ist kein Filter für das gesamte Netzwerk. Ihre Einträge gelten grundsätzlich nur für das Gerät, auf dem sich die Datei befindet. Wird beispielsweise auf einem Computer eine Domain blockiert, bedeutet das nicht automatisch, dass dieselbe Domain auch auf einem Smartphone, Tablet oder einem anderen Rechner im selben Netzwerk blockiert wird.
Die Hosts-Datei arbeitet lokal.
Gerade diese Eigenschaft macht sie jedoch zu einem interessanten Werkzeug für die persönliche Kontrolle des eigenen Computers. Sie erlaubt es, bestimmte Namensauflösungen selbst festzulegen, anstatt jede Entscheidung ausschließlich einem externen DNS-Dienst zu überlassen. Dabei ist die Hosts-Datei keineswegs eine moderne Erfindung. Ihre Grundidee stammt aus einer Zeit, in der Netzwerke noch wesentlich kleiner waren und Rechner ihre Zuordnungen teilweise über lokale Dateien verwalteten. Erst mit dem Wachstum des Internets wurde das DNS-System notwendig, um diese Aufgabe zentral und skalierbar zu lösen. Die Hosts-Datei ist trotzdem geblieben.
Heute wirkt sie fast unscheinbar und technisch etwas altmodisch. Gerade deshalb wird ihre Bedeutung häufig unterschätzt. Sie bietet eine direkte und vergleichsweise einfache Möglichkeit, auf die Namensauflösung eines Systems Einfluss zu nehmen. Unter Windows befindet sich die Datei normalerweise im Systemverzeichnis. Bei Linux und macOS liegt sie üblicherweise an einer anderen, ebenfalls fest definierten Stelle. Die genaue Bearbeitung unterscheidet sich je nach Betriebssystem, das grundlegende Prinzip bleibt jedoch gleich. Ein Eintrag besteht im Wesentlichen aus zwei Informationen: einer IP-Adresse und einem Hostnamen. Damit kann beispielsweise festgelegt werden, dass ein bestimmter Hostname auf eine gewünschte Netzwerkadresse verweist.
Die Syntax ist dabei bewusst einfach gehalten. Es handelt sich nicht um eine Programmiersprache. Wer die grundlegende Struktur verstanden hat, kann die Datei mit einem gewöhnlichen Texteditor bearbeiten.
Allerdings sollte man dabei sorgfältig vorgehen. Ein fehlerhafter oder unbedachter Eintrag kann dazu führen, dass eine benötigte Webseite oder ein Dienst plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Deshalb sollte man Änderungen nachvollziehbar vornehmen und die ursprüngliche Datei gegebenenfalls sichern, bevor umfangreichere Anpassungen vorgenommen werden. Die Hosts-Datei ist also kein mächtiges Programm, das im Hintergrund selbstständig Entscheidungen trifft. Ihre Stärke liegt vielmehr in ihrer Einfachheit. Ein paar Zeilen Text können ausreichen, um die Namensauflösung eines Computers gezielt zu verändern. Und genau darin liegt der eigentliche Reiz dieser kleinen Datei.
Während viele moderne Sicherheits- und Datenschutzlösungen mit umfangreichen Programmen, Filtern und Hintergrunddiensten arbeiten, ermöglicht die Hosts-Datei eine sehr direkte Form der Kontrolle. Der Anwender kann selbst festlegen, welche Hostnamen auf welche Adressen zeigen sollen. Sie ist damit zwar kein vollständiger Ersatz für eine Firewall, einen DNS-Filter oder eine Sicherheitssoftware. Sie kann solche Lösungen jedoch sinnvoll ergänzen. Wer beginnt, sich mit der Hosts-Datei zu beschäftigen, entdeckt deshalb schnell ein interessantes Prinzip: Nicht jede Kontrolle über Netzwerkverbindungen benötigt komplizierte Software. Manchmal genügt eine einfache Textdatei, die das Betriebssystem bereits von Haus aus kennt. Und genau diese unscheinbare Datei werden wir uns im weiteren Verlauf genauer ansehen.
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